Abstilldepression: Was sie ist, warum sie auftritt und wie du sie überwindest

Verfasst von Momcozy Care Team

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MEDIZINISCH GEPRÜFT VON
Lic. Nadia Kulisz
Lic. Nadia Kulisz, Geburtshelferin, Fachärztin für Intensivgeburtshilfe, Universitätsdozentin
Nadia Lorena Kulisz Bugarin ist Diplom-Hebamme und Dozentin für Geburtshilfe an der Universidad del Aconcagua. Sie verfügt über umfangreiche klinische Erfahrung in der Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen, die sie sowohl in öffentlichen als auch in privaten Einrichtungen in Argentinien gesammelt hat. Sie ist Fachärztin für kritische Geburtshilfe und diplomierte Fachkraft für klinische Simulation mit Erfahrung im Umgang mit Risikoschwangerschaften, geburtshilflichen Notfällen und der Ausbildung von Gesundheitsfachkräften mittels klinischer Simulation. Ihre Praxis basiert auf evidenzbasierter Medizin, und derzeit absolviert sie einen Masterstudiengang in Pädagogik in digitalen Umgebungen, wobei sie ihre Tätigkeit in der Patientenversorgung, die Lehre und die Auswertung internationaler wissenschaftlicher Inhalte miteinander verbindet.
Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Holen Sie stets den Rat Ihres Arztes oder eines anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleisters in Bezug auf jede Erkrankung ein. Momcozy übernimmt keine Verantwortung für etwaige Folgen, die sich aus der Nutzung dieses Inhalts ergeben.

Du hast aufgehört zu stillen oder begonnen, die Stillmahlzeiten zu reduzieren, und fühlst dich traurig, gereizt oder ängstlich? Solche Gefühle können verschiedene Gründe haben. Das Abstillen ist sowohl eine körperliche als auch eine emotionale Veränderung; zugleich beeinflusst das Stillen über Prolaktin und Oxytocin die Milchbildung und den Milchfluss. Anhaltende oder stark belastende Beschwerden sollten jedoch nicht ausschließlich den Hormonen zugeschrieben, sondern fachlich eingeordnet werden.

💡 Wichtigste Erkenntnisse

  • Hormone im Wandel – Prolaktin und Oxytocin steuern während des Stillens vor allem Milchbildung und Milchfluss; Stimmungstiefs lassen sich nicht automatisch auf einen einzelnen Hormonmechanismus zurückführen.
  • Schrittweises Vorgehen – Werden Stillmahlzeiten allmählich reduziert, kann sich die Milchproduktion nach und nach anpassen.
  • Bindung bleibt bestehen – Körperkontakt, Kuscheln und neue Rituale können die Umstellung für Mutter und Kind begleiten.
  • Gezielte Selbstfürsorge – Bewegung, ausgewogene Ernährung, Schlafroutinen, soziale Unterstützung und Entspannung können das Wohlbefinden fördern.
  • Professionelle Hilfe – Halten depressive Kernsymptome mindestens zwei Wochen an, verschlimmern sie sich oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, ist professionelle Unterstützung sinnvoll.

Warum fühlst du dich traurig beim Abstillen? Hormone und Gefühle erklärt

Deine Gefühle sind nicht eingebildet, lassen sich aber auch nicht sicher auf eine einzige biologische Ursache reduzieren. Deutsche Fachinformationen erklären, dass Stillen die Bildung von Prolaktin und Oxytocin erhöht und das Abstillen zugleich eine körperliche und emotionale Veränderung sein kann. Wie stark sich diese Umstellung auf die Stimmung auswirkt, ist individuell; auch Schlafmangel, Belastung und persönliche Lebensumstände können eine Rolle spielen.

Prolaktin und Oxytocin: Hormone des Stillens

  • Prolaktin ist an der Milchbildung beteiligt, Oxytocin am Milchfluss.
  • Wenn du Still- oder Pumpsitzungen schrittweise reduzierst, kann sich die Milchproduktion allmählich an die geringere Nachfrage anpassen. Eine tragbare Milchpumpe kann dabei praktisch sein, wenn du bei Spannungsgefühlen nur so viel Milch entnimmst, bis die Brust entlastet ist.
  • Aus diesen hormonellen Vorgängen allein lässt sich jedoch nicht ableiten, warum eine einzelne Person traurig, gereizt oder ängstlich ist.

Östrogen, Progesteron und die Rückkehr des Zyklus

  • Nach der Geburt fallen die von der Plazenta gebildeten Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron schnell ab.
  • Stillen kann über einen erhöhten Prolaktinspiegel den Eisprung und damit die Rückkehr der Menstruation verzögern. Wann sich der Zyklus wieder einpendelt und wie die Stimmung dabei erlebt wird, ist individuell.

Die emotionale Komponente des Abschieds

  • Stillen bedeutet besondere körperliche Nähe. Wenn diese Form der Nähe wegfällt, kann das für Mutter und Kind zunächst neu und ungewohnt sein.
  • Beim Abstillen können widersprüchliche Gefühle wie Freude über mehr Freiheit, Traurigkeit, Verlust oder Schuldgefühle auftreten.
Die Mutter, ganz in Weiß gekleidet, hält das Baby im Arm.

5 emotionale Beschwerden, die während des Abstillens auftreten können

Beschwerden rund um das Abstillen sind nicht spezifisch genug, um daraus selbst eine „Abstilldepression“ abzuleiten. Traurigkeit, Interessenverlust, Grübeln und Konzentrationsprobleme gehören auch zu den möglichen Anzeichen einer Depression. Entscheidend sind Stärke, Dauer und Auswirkungen auf den Alltag.

Anhaltende Traurigkeit oder Gefühl der Leere

Du fühlst dich niedergeschlagen, innerlich leer oder musst häufig weinen. Halten solche Gefühle an oder bestimmen sie zunehmend deinen Alltag, sollten sie fachlich eingeordnet werden.

Reizbarkeit und plötzliche Stimmungsschwankungen

Reizbarkeit kann in belastenden Lebensphasen auftreten. Sie beweist für sich allein jedoch weder eine hormonelle Ursache noch eine depressive Erkrankung.

Angst oder kreisende Gedanken

Ständiges Grübeln, Schuldgefühle und Zukunftsängste können bei einer Depression vorkommen. Nimm diese Beschwerden ernst, besonders wenn sie nicht nachlassen.

Gehirnnebel und Konzentrationsschwierigkeiten

Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten können viele Ursachen haben und gehören ebenfalls zu möglichen depressiven Beschwerden. Verlasse dich daher nicht darauf, dass sie automatisch von selbst verschwinden.

Verlust des Interesses an alltäglichen Aktivitäten

Wenn Dinge, die dir sonst Freude bereiten, über längere Zeit gleichgültig erscheinen, ist das ein wichtiges Signal, professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen.

Wie man ein schrittweises Abstillen plant, das deine mentale Gesundheit schützt

Ein allmähliches Vorgehen gibt Mutter und Kind Zeit, sich körperlich und emotional auf die neue Situation einzustellen. Deutsche Fachportale empfehlen, Stillmahlzeiten nach und nach zu reduzieren; dadurch geht auch die Milchproduktion schrittweise zurück.

Reduziere Stillmahlzeiten schrittweise

Ersetze das Stillen durch neue Verbindungsrituale

Biete weiterhin viel Körperkontakt und Nähe an. Kuscheln, Vorlesen oder sanftes Wiegen können zu neuen Ritualen werden, die das Stillen nach und nach ersetzen.

Die Rolle von Partner und Umfeld

Bitte deinen Partner, deine Partnerin oder andere vertraute Personen um konkrete Entlastung. Sie können beispielsweise eine Abendroutine übernehmen und das Kind mit Körperkontakt und Kuscheln begleiten.

5 praktische Werkzeuge, um mit Traurigkeit beim Abstillen umzugehen

Die folgenden Maßnahmen können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung, wenn die Beschwerden anhalten oder stark sind.

Sanfte Bewegung und Tageslicht

Regelmäßige, an deine Situation angepasste Bewegung – etwa ein Spaziergang – kann Stress und Anspannung abbauen sowie Wohlbefinden und Schlaf fördern. Das deutsche Gesundheitsportal weist darauf hin, dass bereits einfache Aktivitäten und regelmäßige Spaziergänge positive Effekte haben können.

Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung unterstützt die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Plane möglichst regelmäßige, alltagstaugliche Mahlzeiten, statt einzelnen Lebensmitteln eine direkte stimmungsstabilisierende Wirkung zuzuschreiben.

Erholsamer Schlaf und feste Routinen

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, eine passende Schlafumgebung und weniger helles Bildschirmlicht am späten Abend können den Schlaf unterstützen. Das Portal gesund.bund.de empfiehlt, Smartphones, Tablets, Laptops und Fernseher rechtzeitig vor dem Zubettgehen auszuschalten.

Sozialer Austausch und Müttergruppen

Sprich mit vertrauten Menschen, deiner Hebamme, einer Stillberatung oder einer Beratungsstelle. Ein stabiles soziales Umfeld und frühzeitige Unterstützung können in belastenden Lebenssituationen hilfreich sein.

Journaling und Achtsamkeitsübungen

Nutze Journaling, wenn es dir persönlich hilft, Gedanken zu ordnen. Für den Umgang mit Stress können außerdem anerkannte Entspannungsmethoden wie Meditation, progressive Muskelentspannung oder bewusstes Atmen unterstützend sein; ihre Wirkung und Alltagstauglichkeit unterscheiden sich von Person zu Person.

Wann du professionelle Hilfe suchen solltest

Die Mutter hält das Baby im Arm.

Wenn die Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, solltest du ärztlichen oder psychologischen Rat einholen. Mehrere depressive Kernsymptome, die zwei Wochen oder länger bestehen, sind ein Grund für eine fachliche Abklärung. Ansprechpartner können deine Hausärztin oder dein Hausarzt, deine Hebamme, eine psychologische Beratungsstelle oder eine psychotherapeutische Praxis sein.

Fazit

Das Abstillen kann mit körperlichen Veränderungen und widersprüchlichen Gefühlen verbunden sein. Ein schrittweises Vorgehen, neue Nähe-Rituale, Selbstfürsorge und Unterstützung aus dem Umfeld können den Übergang erleichtern. Starke, anhaltende oder den Alltag beeinträchtigende Beschwerden sollten nicht als unvermeidliche „Abstilldepression“ abgetan, sondern professionell abgeklärt werden.

Häufig gestellte Fragen

1. Warum fühle ich mich traurig beim Abstillen? Ist das normal?

Traurigkeit, Verlustgefühle oder Schuldgefühle können beim Abstillen auftreten. Stillen beeinflusst zwar Prolaktin und Oxytocin, doch deine Stimmung lässt sich nicht automatisch nur durch Hormone erklären. Wenn dich die Beschwerden stark belasten oder nicht nachlassen, hole dir Unterstützung.

2. Wie lange dauert die Abstilldepression?

Eine verlässliche pauschale Dauer lässt sich nicht angeben. Halten Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder weitere depressive Kernsymptome mindestens zwei Wochen an oder beeinträchtigen sie deinen Alltag deutlich, solltest du sie professionell abklären lassen.

3. Welche Hormone verändern sich während des Abstillens?

Prolaktin und Oxytocin sind während des Stillens an Milchbildung und Milchfluss beteiligt. Stillen kann über Prolaktin außerdem den Eisprung verzögern. Wie sich die Umstellung beim Abstillen auf das persönliche Befinden auswirkt, ist individuell.

4. Wie kann ich mit der Traurigkeit nach dem Abstillen umgehen?

Sanfte Bewegung, regelmäßige Mahlzeiten, Schlafroutinen, Entspannungsübungen und der Austausch mit Vertrauenspersonen können dein Wohlbefinden unterstützen. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ersetzen diese Maßnahmen keine professionelle Hilfe.

5. Wie gelingt ein respektvolles Abstillen ohne Schuldgefühle?

Gehe möglichst schrittweise vor, orientiere das Tempo an dir und deinem Kind und schaffe neue Rituale für Nähe. Unterschiedliche oder widersprüchliche Gefühle dürfen dabei vorkommen.

6. Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?

Wenn Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll. Das gilt besonders, wenn mehrere depressive Kernsymptome zwei Wochen oder länger bestehen.

7. Was ist der Unterschied zwischen Wochenbettdepression und Abstilldepression?

Eine Wochenbettdepression ist eine depressive Erkrankung nach der Geburt, die behandelt werden muss. In diesem Artikel beschreibt „Abstilldepression“ depressive Beschwerden, die zeitlich rund um das Abstillen wahrgenommen werden; dieselben Beschwerden können jedoch auch andere Ursachen haben und sollten nicht selbst diagnostiziert werden.

Quellen

Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Lassen Sie sich bei gesundheitlichen Problemen stets von Ihrem Arzt oder einem anderen qualifizierten medizinischen Fachpersonal beraten. Momcozy übernimmt keine Verantwortung für Folgen, die sich aus der Nutzung dieser Inhalte ergeben.