
Du bist in der 38. Schwangerschaftswoche. Es ist 2 Uhr morgens. Ein Spannungsgefühl durchzieht Deinen Bauch und verschwindet dann wieder. Dein Herz schlägt schneller: Ist das der Beginn der Wehen? Wie lange solltest Du warten, bevor Du Deinen Partner weckst oder Deine Hebamme anrufst? Ein strukturierter Leitfaden zum Wehen zählen hilft Dir, regelmäßige Muster frühzeitig zu erkennen und entspannt die richtigen Schritte einzuleiten. Zu lernen, wie man Wehen zählt, hilft Dir, Veränderungen in ihrem Rhythmus zu dokumentieren und dem medizinischen Team konkrete Angaben zu machen. Die Zeitmessung allein kann jedoch nicht sicher feststellen, ob die Geburt begonnen hat. In diesem Leitfaden findest Du eine Drei-Schritte-Methode, eine einfache Übersicht zur Wehenbeobachtung und die in Deutschland üblichen Anhaltspunkte dafür, wann Du Dich auf den Weg zum Geburtsort machen oder Dein Betreuungsteam kontaktieren solltest. Eine bequeme Unterstützung wie ein passendes Schwangerschaftskissen kann Dir zudem helfen, während der ersten unregelmäßigen Phase eine entspannte Ruheposition einzunehmen.
💡 Wichtigste Erkenntnisse
- Rhythmus dokumentieren – Messe Dauer und Abstand mehrerer aufeinanderfolgender Wehen.
- Echte Wehen erkennen – Regelmäßige, stärker werdende Kontraktionen deuten auf den Geburtsbeginn hin.
- Die 5-1-1-Regel nutzen – Beim ersten Kind gilt: alle 5 Minuten, 1 Minute lang, über 1 Stunde.
- Folgeschwangerschaften beachten – Ab dem zweiten Kind bereits bei Wehen alle 10 Minuten aufbrechen.
- Warnzeichen ernst nehmen – Bei Blasensprung oder vorzeitigen Wehen sofort das Betreuungsteam kontaktieren.
Was ist das Zählen der Wehen und wann man damit beginnen sollte
Das Zählen der Wehen bedeutet, Beginn, Dauer, Abstand und auf Wunsch die subjektiv empfundene Intensität mehrerer Wehen zu notieren. Es ist ein persönliches Beobachtungswerkzeug, keine medizinische Diagnose.
Beginne mit dem Zählen, wenn sich Anspannungen wiederholen oder Du den Eindruck hast, dass sie regelmäßiger oder kräftiger werden. Eine allgemeine deutsche Empfehlung, grundsätzlich ab der 37. Schwangerschaftswoche täglich zu zählen, wurde nicht gefunden. Treten deutlich vor dem errechneten Termin häufiger werdende Wehen auf, solltest Du sie nicht nur zu Hause beobachten, sondern Deine Hebamme, Arztpraxis oder Geburtsklinik kontaktieren. Vorzeitige Wehen können medizinisch abgeklärt werden.
Warum das Zählen der Wehen alles verändert
- Du verfügst über konkrete Angaben, um Deine Wahrnehmung zu beschreiben.
- Du kannst erkennen, ob sich im Verlauf ein regelmäßigeres Muster entwickelt.
- Du erleichterst die telefonische Einschätzung durch Hebamme oder Geburtsklinik.
Was das Zählen nicht leistet
Es ersetzt weder eine medizinische Untersuchung noch die für Dich vereinbarten Hinweise Deines Geburtsortes. Einzelne Zeitwerte beweisen nicht, dass die Geburt begonnen hat. Im Zweifelsfall ist es angemessen, Deine Hebamme oder Geburtsklinik zu kontaktieren, auch wenn ein bestimmtes Zeitschema noch nicht erreicht ist.
Die 3-Schritte-Methode zum Zählen der Wehen

Die Zählmethode beruht auf drei einfachen Angaben: dem Beginn und Ende der Wehe, ihrer Dauer und dem Abstand zwischen zwei Wehen.
Schritt 1: den Beginn und das Ende erkennen (Tastmethode)
Das Zählen beruht nicht nur auf dem Schmerzempfinden. Viele Schwangere spüren, dass sich der Bauch während einer Wehe anspannt oder härter wird und anschließend wieder entspannt.
Lege eine Hand locker auf Deinen Bauch, wenn Dir das angenehm ist. Starte die Zeitmessung, sobald die Anspannung beginnt, und stoppe sie, wenn sie nachlässt. Die genaue Stelle oder ein Vergleich der Bauchhärte mit Lippen, Nase oder Stirn ist kein verlässliches Verfahren, um die Geburtsphase zu bestimmen.
Anhaltspunkte für die Beobachtung:
- Beginn: Die Anspannung oder Verhärtung setzt ein.
- Höhepunkt: Die Wehe wird für Dich am deutlichsten wahrnehmbar.
- Ende: Die Anspannung lässt nach und der Bauch entspannt sich wieder.
Schritt 2: die Dauer messen
Die Dauer entspricht der Zeit zwischen Beginn und Ende derselben Wehe. Starte die Uhr nicht erst am stärksten Punkt, sondern schon beim Einsetzen der Anspannung.
- Vorwehen: Sie sind laut deutscher Elterninformation meist unregelmäßig, eher kurz und relativ leicht.
- Eröffnungswehen: Werden Wehen kräftiger, regelmäßig und dauern etwa eine Minute oder länger, kann dies auf den Beginn der Geburt hindeuten.
- Wichtig: Die Dauer allein ist kein sicherer Maßstab. Wenn der Bauch zwischen den Anspannungen nicht mehr entspannt, Du anhaltend starke Schmerzen hast oder Dir etwas ungewöhnlich vorkommt, kontaktiere Dein Betreuungsteam.
Schritt 3: den Abstand berechnen
Der Abstand wird vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten gemessen — nicht nur als Ruhezeit zwischen den Wehen.
Minimales Tabellenmodell zum Kopieren:
|
Startzeit |
Dauer |
Intensität (1–10) |
Notizen |
|
02:15 |
45 Sek. |
3 |
In Ruhe |
|
02:22 |
50 Sek. |
4 |
Nach einem Spaziergang |
Notiere mehrere aufeinanderfolgende Wehen, um eine Entwicklung zu erkennen. Es gibt keine allgemein gültige Mindestzahl von fünf oder sechs Wehen und keinen festen 30-Minuten-Zeitraum, der den Geburtsbeginn sicher bestätigt. Beim ersten Kind bezieht sich die deutsche Faustregel für den Aufbruch zum Geburtsort auf ein regelmäßiges Muster über ungefähr eine Stunde.
Praktische Hilfsmittel für das Tracking
Notizbuch und Stift
- Vorteile: unabhängig vom Telefonakku und dem Betreuungsteam leicht zu zeigen.
- Notiere nur die wichtigsten Angaben, damit die Dokumentation Dich nicht zusätzlich belastet.
Mobile Apps
- Nützliche Funktionen: Start/Stopp, automatische Berechnung der Abstände und kurze Notizen.
- Eine App kann Dir das Rechnen abnehmen, aber weder den Geburtsbeginn diagnostizieren noch entscheiden, wann Du medizinische Hilfe brauchst.
- Achtung: Vertraue angezeigten Schwellenwerten nicht blind. Die Empfehlungen Deiner Hebamme oder Geburtsklinik gehen vor.
Wann das medizinische Team zu kontaktieren ist: die 5-1-1-Regel und die Unterschiede zwischen Erst- und Mehrgebärenden
Die 5-1-1-Regel: ein Anhaltspunkt für die Kommunikation
Die 5-1-1-Regel dient als Orientierung bei der Ersterkrankung oder Erstgeburt: Kontraktionen kommen alle 5 Minuten, dauern 1 Minute und halten seit 1 Stunde an. Die deutsche BIÖG-Elterninformation nennt für die erste Geburt eine ähnliche Faustregel für den Weg zur Klinik oder zum Geburtshaus:
- 5: Die Wehen kommen regelmäßig etwa alle fünf Minuten.
- 1: Eine Wehe dauert ungefähr eine Minute.
- 1: Dieser Rhythmus besteht ungefähr eine Stunde.
Zusätzlich beschreibt die Quelle, dass die Schmerzen dann so stark sein können, dass Ablenkung während der Wehe kaum noch möglich ist. Die 5-1-1-Regel ist eine Faustregel für eine unkomplizierte Situation beim ersten Kind, kein universeller medizinischer Grenzwert. Individuelle Absprachen und besondere Risiken gehen vor.
Vor dem Erreichen des 5-1-1-Schwellenwerts
- Unregelmäßige, eher leichte Wehen: Ruhe, Atemübungen, eine Massage oder ein warmes Bad können helfen, die Entwicklung zu beobachten. Vorwehen lassen häufig wieder nach.
- Kräftiger und regelmäßiger werdende Wehen: Beginne mit der Zeitmessung und richte Dich nach den vorab vereinbarten Hinweisen Deines Geburtsortes.
- Deutlich vor dem Geburtstermin: Häufiger werdende Wehen sollten medizinisch abgeklärt werden, statt auf einen 5-1-1-Rhythmus zu warten.
- Nach einem Blasensprung: Die deutsche Elterninformation empfiehlt, sich zügig und ruhig zur Geburtsklinik zu begeben.
Erstgebärende oder Mehrgebärende: die Schwellenwerte unterscheiden sich
Erste Schwangerschaft (Erstgebärende)
Als Faustregel nennt Familienplanung.de regelmäßige Wehen etwa alle fünf Minuten über ungefähr eine Stunde, wobei eine Wehe ungefähr eine Minute dauert. Eine zusätzliche 4-1-1-Regel wird in der geprüften deutschen Quelle nicht empfohlen.
Folgeschwangerschaft (Mehrgebärende)
Ab dem zweiten Kind empfiehlt die deutsche Elterninformation, bereits bei regelmäßigen Wehen alle zehn Minuten zum Geburtsort aufzubrechen. Eine feste 6-1-1-Regel wurde nicht bestätigt. Wenn eine frühere Geburt sehr schnell verlief, besprich Deinen persönlichen Plan vorab mit Hebamme oder Klinik.
Individuelle Faktoren, die zu berücksichtigen sind
- Entfernung und Fahrzeit zum geplanten Geburtsort
- Verkehrs- und Wetterbedingungen
- Frühere schnelle Geburten oder besondere medizinische Absprachen
- Die konkreten Hinweise Deiner Hebamme, Klinik oder Deines Geburtshauses
Ist der Geburtsort weit entfernt, solltest Du laut deutscher Elterninformation ausreichend Fahrzeit einplanen. Bei geplanter Hausgeburt oder Geburtshausgeburt wird die Hebamme nach dem vereinbarten Ablauf informiert.
Wie man Braxton-Hicks-Kontraktionen von echten Wehen unterscheidet
Es ist völlig normal, in den letzten Wochen Vorwehen zu spüren. Die Zeitmessung kann Unterschiede sichtbar machen, aber keine sichere Diagnose liefern. Für Braxton-Hicks-Kontraktionen beziehungsweise Vorwehen sprechen eher folgende Merkmale:
- Unregelmäßig: Die Abstände ergeben kein zunehmend gleichmäßiges Muster.
- Eher kurz und leicht: Sie verstärken sich nicht schrittweise.
- Können wieder nachlassen: Ablenkung, Ruhe, eine Massage oder ein warmes Bad können die Beschwerden verändern.
Ein warmes Bad kann ein praktischer Beobachtungsschritt sein: Vorwehen beruhigen sich nach Erfahrung häufig, während Geburtswehen kräftiger werden können. Dieser Unterschied ist jedoch kein zuverlässiger Selbsttest. Wenn die Wehen anhalten, stärker oder regelmäßiger werden oder Du unsicher bist, kontaktiere Deine Hebamme oder den Geburtsort.
Vergleichstabelle
|
Kriterium |
Braxton-Hicks-Kontraktionen |
Geburtswehen |
|
Regelmäßigkeit |
Meist unregelmäßig |
Werden regelmäßiger |
|
Intensität |
Eher leicht oder im Verlauf nachlassend |
Werden kräftiger |
|
Wirkung von Ruhe oder warmem Bad |
Können nachlassen |
Können anhalten oder kräftiger werden |
|
Wirkung von Flüssigkeitszufuhr |
Kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal |
Kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal |
|
Ort |
Empfindung kann im Unterbauch oder bis in den Rücken ziehen |
Empfindung und Schmerzort sind individuell unterschiedlich |
|
Dauer |
Eher kurz und unregelmäßig |
Eröffnungswehen dauern häufig etwa eine Minute oder länger |
Drei Irrtümer, die man vergessen sollte
Irrtum 1: „Braxton-Hicks-Kontraktionen tun nie weh.“
Zu pauschal. Vorwehen können sich wie Menstruationsbeschwerden oder als Ziehen im Unterbauch und Rücken anfühlen. Entscheidend ist nicht nur die Stärke einer einzelnen Wehe, sondern ihre Entwicklung.
Irrtum 2: „Eine einzelne regelmäßige oder schmerzhafte Wehe beweist, dass die Geburt begonnen hat.“
Falsch. Erst das Muster über mehrere Wehen, die weitere Entwicklung und bei Bedarf eine medizinische Untersuchung ermöglichen eine bessere Einschätzung.
Irrtum 3: „Die Fruchtblase platzt immer vor den Wehen.“
Falsch. Die Fruchtblase kann vor oder im Verlauf der Wehen springen. Der Zeitpunkt allein sagt nicht zuverlässig, in welcher Geburtsphase Du bist. Nach einem Blasensprung solltest Du Dich nach den Hinweisen Deines Geburtsortes richten und Dich gemäß der deutschen Elterninformation zügig und ruhig zur Geburtsklinik begeben.
Wie dein Partner dir helfen kann, zu zählen und dich zu beruhigen
Dein Partner kann eine wertvolle Rolle bei der Verfolgung der Wehen spielen, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen.
Die Rolle des Zeitnehmers
- Er übernimmt die Zeitmessung, damit Du Dich auf Deine Atmung konzentrieren kannst.
- Er notiert Beginn, Dauer und Abstand, ohne während jeder Wehe viele Fragen zu stellen.
- Er beobachtet die allgemeine Entwicklung statt jede einzelne Wehe isoliert zu bewerten.
Die Kommunikation während der Geburt
- Vereinbart vorher ein einfaches Signal, etwa einen Händedruck für den Beginn und das Ende einer Wehe.
- Er kann die Zeiten ruhig ansagen oder still notieren — je nachdem, was Dir angenehmer ist.
Über die Zeitmessung hinaus
- Zwischen zwei Wehen kann er Dir, sofern nichts anderes vereinbart wurde, Wasser oder einen Positionswechsel anbieten.
- Er kann Dich an Atem- und Entspannungstechniken aus dem Geburtsvorbereitungskurs erinnern.
- Eine ruhige, klare Kommunikation kann Dir helfen, Dich auf die jeweilige Wehe zu konzentrieren.
Fazit
Das Zählen der Wehen ist eine einfache Beobachtungsmethode. Notiere dafür Beginn, Dauer und Abstand mehrerer aufeinanderfolgender Wehen; die subjektive Intensität kann als zusätzliche Information dienen. Eine einzelne Zahl bestätigt den Geburtsbeginn nicht.
Für das erste Kind nennt die deutsche Elterninformation als Faustregel regelmäßige Wehen etwa alle fünf Minuten, ungefähr eine Minute lang und über etwa eine Stunde. Ab dem zweiten Kind wird bereits bei regelmäßigen Wehen etwa alle zehn Minuten zum Aufbruch geraten. Diese Werte ersetzen nicht Deinen individuellen Geburtsplan.
Zögere bei Unsicherheit nicht, Deine Hebamme oder Deinen Geburtsort zu kontaktieren. Bei häufiger werdenden Wehen deutlich vor dem Termin oder nach einem Blasensprung solltest Du nicht erst auf das 5-1-1-Muster warten.
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wie fühlen sich Wehen an?
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Wie verläuft eine Geburt?
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de: Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft.
