Die Antwort in einem Satz
Von den zehn beliebtesten Jungennamen 2025 stehen Leon und Paul seit 27 Jahren in den Top 10, Elias und Luca seit 20, Noah seit 13 – Theo und Matteo erst seit zwei Jahren, Leo seit einem. Bei den Mädchen führt Sophia mit 19 Jahren, vor Mia (18) und Emma (17). Ein Name, der heute weit oben steht, hat also meistens schon ein Jahrzehnt hinter sich und wird noch eines vor sich haben. Was sich in zehn Jahren erneuert, ist rund die Hälfte der Liste.
Wer einen Vornamen nachschlägt, findet zuerst eine Zahl: Platz 3, Platz 40, Platz 200. Diese Zahl beruhigt oder beunruhigt, je nachdem, was man erwartet hat. Sie sagt aber wenig, solange man nicht weiß, für welches Land die Liste gilt und wie lange ein Name dort schon steht. Beides lässt sich beantworten – mit den Jahreslisten der Gesellschaft für deutsche Sprache seit 1977 und, wo Deutschland keine amtlichen Zahlen hat, mit den offenen Standesamtsdaten der Stadt Berlin.
Die Listen im Netz meinen meist ein anderes Land
Die meisten Namenslisten im Internet sind englischsprachig, und viele Werkzeuge, auch Namensgeneratoren, arbeiten mit amerikanischen oder britischen Daten. Daran ist nichts falsch – es ist eine andere Bevölkerung. Falsch wird es erst, wenn man sie liest, als beschrieben sie Deutschland. Hier Namen, die in englischsprachigen Ranglisten regelmäßig ganz oben stehen, und ihre Geschichte in den deutschen Top 10 seit 1977:
Die Lesart ist einfach. Emma, Mia, Sophia, Noah, Leo sind auf beiden Seiten des Atlantiks verbreitet: Wer sie überall sieht, sieht sie auch hier. Olivia, Amelia, Isabella, Ava, Oliver, Elijah, James führen englischsprachige Listen an und waren in Deutschland nie in den Top 10. Ein Name kann anderswo »der beliebteste« sein und hier fast ausgefallen.
Die Regel, bevor es weitergeht: Eine Liste ohne Land und ohne Zahl dahinter ist keine Information, sondern Stimmung.
Was ein Platz in den Top 10 heute wert ist
Deutschland veröffentlicht keine amtliche Vornamenstatistik; die GfdS-Listen nennen Plätze und Anteile, aber keine vollständigen Zahlen. Die offenen Daten der Berliner Standesämter füllen die Lücke: Sie enthalten jeden Vornamen jedes in Berlin angemeldeten Kindes, mit Position (Erst- oder Zweitname), seit 2012. Für 2023 zeigt sich, was ein Spitzenplatz konkret bedeutet:
Anders gesagt: Der »beliebteste« Name des Jahres wird gut einem Prozent der Kinder gegeben. In einer Kita-Gruppe von 20 Kindern mit 10 Mädchen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Emilias aufeinandertreffen, bei etwa 12 Prozent. Die GfdS nennt für Sophia bundesweit 1,33 Prozent aller Mädchen-Erstnamen – dieselbe Größenordnung. Wer einen Namen »zu häufig« findet, misst ihn meist an der eigenen Schulzeit, nicht an 2025.
Wie lange ein Name oben bleibt
Die zweite häufige Sorge: »Der Name ist gerade Mode, das geht vorbei.« Die GfdS-Listen erlauben, das zu messen. Für jeden Namen der Top 10 von 2025 zählen wir, seit wann und wie viele Jahrgänge er in den Top 10 stand.
| Mädchen · Top 10 2025 | Jahre in den Top 10 | Erstmals |
|---|---|---|
| Sophia/Sofia | 19 Jahre | seit 1997 |
| Mia | 18 Jahre | seit 2008 |
| Emma | 17 Jahre | seit 2009 |
| Emilia | 13 Jahre | seit 2013 |
| Lina | 7 Jahre | seit 2019 |
| Ella | 7 Jahre | seit 2019 |
| Klara/Clara | 7 Jahre | seit 2019 |
| Mila | 7 Jahre | seit 2019 |
| Hanna/Hannah | 6 Jahre | seit 2020 |
| Lia/Liah | 3 Jahre | seit 2023 |
| Jungen · Top 10 2025 | Jahre in den Top 10 | Erstmals |
|---|---|---|
| Leon | 27 Jahre | seit 1999 |
| Paul | 27 Jahre | seit 1999 |
| Elias | 20 Jahre | seit 2006 |
| Luca/Luka | 20 Jahre | seit 2002 |
| Noah | 13 Jahre | seit 2013 |
| Henry/Henri | 7 Jahre | seit 2018 |
| Emil | 5 Jahre | seit 2021 |
| Matt(h)eo/Mat(h)eo | 2 Jahre | seit 2024 |
| Theo | 2 Jahre | seit 2024 |
| Leo | 1 Jahre | seit 2025 |
Zwei Lesarten. Erstens die Ruhe: Wer 2025 Paul, Leon, Elias, Luca, Sophia, Mia oder Emma wählt, wählt einen Namen, der seit mindestens 17 Jahren zu den zehn häufigsten gehört. Das ist keine Modeerscheinung mehr. Zweitens der Aufbruch: Theo, Matteo und Leo sind neu oben – und niemand weiß, ob sie ein Jahr bleiben oder zwanzig. Beides ist legitim; man sollte nur wissen, welchen der beiden Namen man gerade wählt.
Vier Jahrzehnte, vier Generationen von Namen
Wie schnell sich die Spitze erneuert, zeigt der Vergleich der Top 10 im Abstand von zehn Jahren – zuerst die Mädchen, dann die Jungen:
0/10 Mädchen
0/10 Jungen
3/10 Mädchen
4/10 Jungen
3/10 Mädchen
6/10 Jungen
4/10 Mädchen
5/10 Jungen
Und über die gesamten 43 Jahrgänge: Diese Namen standen am längsten in den Top 10 – Alexander 36 Jahre, Anna 31, Maria 27, Leon und Paul 27, Marie 23, Maximilian 22, Julia und Sophie 21. Wer einen Namen sucht, der »nicht aus der Mode kommt«, findet ihn hier eher als in der aktuellen Liste (der eigene Ratgeber dazu: Zeitlose Vornamen).
Die GfdS-Liste selbst lesen
Sie brauchen uns nicht, um einen Namen zu prüfen. Die Listen sind öffentlich.
gfds.de → Vornamen → Die beliebtesten Vornamen. Dort stehen die Top 10 jedes Jahrgangs seit 1977 zum Aufklappen, getrennt nach Mädchen und Jungen, mit dem Vorjahresplatz in Klammern. Die Gesamtliste (Top 200) ist kostenpflichtig; für die Frage »ist der Name gerade vorn?« reichen die Top 10.
Lesen Sie den Prozentwert, nicht nur den Platz. Die GfdS gibt für die Top 10 den Anteil an allen vergebenen Erstnamen an – 2025 zwischen 0,86 % (Lia) und 1,48 % (Noah). Das ist die Zahl, die sagt, wie viele Kinder den Namen wirklich tragen.
Für die Zahlen dahinter: Berlin Open Data. Unter daten.berlin.de stehen seit 2012 alle Vornamen der in Berlin angemeldeten Kinder pro Bezirk als CSV, seit 2017 mit Position. Es ist eine Stadt, kein Bundesgebiet – aber die einzige vollständige, offene Quelle in Deutschland.
Schauen Sie auf die Richtung über zehn Jahre. Ein Name, der langsam nach oben wandert (Emilia seit 2013, Noah seit 2013), verhält sich anders als einer, der gerade erst aufgetaucht ist (Leo, Theo).
Und wenn Ihre nächste Frage lautet »und mit unserem Nachnamen?«: Das ist Thema des Nachnamen-Tests, der dieselben Berliner Daten nutzt.
Methode und Grenzen
- GfdS: Gesellschaft für deutsche Sprache, »Die beliebtesten Vornamen«, Jahreslisten 1977–2025; im Internet sind 43 Jahrgänge verfügbar (nicht alle Jahre der 1980er und 1990er). Bis 2018 Gesamtliste aller vergebenen Vornamen, ab 2019 Erstnamenliste; die GfdS fasst lautgleiche Schreibweisen zusammen (Sophia/Sofia). Wir haben für jeden Namen die Schreibweise vor dem Schrägstrich gezählt.
- Jahre in den Top 10: Zahl der verfügbaren Jahrgänge, in denen der Name in den Top 10 seines Geschlechts stand; »seit« ist der erste solche Jahrgang.
- Berlin: Land Berlin, offene Daten der Standesämter »Liste der häufigen Vornamen« 2012–2023 (CC BY), alle zwölf Bezirke zusammengefasst; Erstnamen = Position 1. Berlin ist keine Stichprobe für Deutschland: Die Anteile sind Größenordnungen, keine Bundeswerte.
- Kita-Wahrscheinlichkeit: 1 − (1 − p)10, p = Anteil des Namens an den Mädchen-Erstnamen 2023; unabhängige Ziehung, keine Stadtteil-Effekte.
- Internationale Namen: Prüfung, ob und in welchen Jahrgängen der Name in den deutschen GfdS-Top-10 stand.
In derselben Reihe: Zeitlose Vornamen · Zweitnamen: was Eltern wirklich vergeben
Eigene Auswertung von Momcozy auf Grundlage der GfdS-Jahreslisten und der offenen Daten des Landes Berlin. Alle Zahlen lassen sich in den Quellen nachprüfen.