Zweitnamen: was Eltern wirklich vergeben – Zahlen aus den Berliner Standesämtern

Verfasst von Momcozy Care Team

Aktualisiert am

Fast jedes zweite Kind hat einen

Das Wichtigste in Kürze

Deutschland zählt seine Zweitnamen nirgends – außer in Berlin, wo die Standesämter seit 2017 jeden Vornamen mit seiner Position veröffentlichen. Dort bekommen 43 Prozent der Mädchen und 42 Prozent der Jungen einen Zweitnamen, gut vier Prozent einen dritten. Die Zweitnamen sind ein eigenes Repertoire: Marie, Sophie und Maria bei den Mädchen, Alexander, Maximilian und Paul bei den Jungen – Namen, die als Erstname längst seltener geworden sind und als Zweitname weiterleben.

Der Zweitname ist die einzige Entscheidung auf dem ganzen Weg, die im Alltag fast keine Folgen hat. Niemand wird das Kind so rufen, er steht auf keinem Jackenschild, die Erzieherin kennt ihn nicht. Genau deshalb ist er nützlich: Man kann dort hineinlegen, was man sich vorn nicht traut. Hier steht zum ersten Mal mit Zahlen, was Eltern damit tatsächlich machen – und wofür.

2017
47 %
46 %
2018
46 %
46 %
2019
46 %
45 %
2020
45 %
45 %
2021
44 %
45 %
2022
44 %
43 %
2023
43 %
42 %
Anteil der Kinder mit mindestens einem Zweitnamen, Berlin 2017–2023 (rot: Mädchen, grün: Jungen). Der Anteil sinkt langsam – von 47 auf 43 Prozent bei den Mädchen. Einen dritten Namen tragen 3.8 bzw. 4.1 Prozent.

Die häufigsten Zweitnamen

Zusammengefasst über sieben Jahrgänge (2017–2023) und alle zwölf Berliner Bezirke. Der Balken ist proportional zur Zahl der Kinder, die den Namen an zweiter Stelle tragen.

Mädchen · Zweitnamen 2017–2023
Marie
2.504
Sophie
2.388
Maria
1.547
Charlotte
1.156
Luise
761
Emilia
755
Elisabeth
707
Sophia
584
Johanna
581
Anna
445
Helene
356
Rose
351
Luisa
341
Victoria
319
Louise
312
Jungen · Zweitnamen 2017–2023
Alexander
1.398
Maximilian
918
Paul
799
Elias
679
Emil
617
Ali
564
Valentin
545
Karl
507
Friedrich
485
David
460
Anton
434
Michael
421
Levi
407
Benjamin
402
Theodor
384
Land Berlin, offene Daten der Standesämter; Position 2. Zum Vergleich die häufigsten Erstnamen derselben Jahre: Emilia, Charlotte, Emma, Mia, Mila, Ella · Noah, Emil, Leon, Adam, Elias, Paul.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens die Konzentration: Die zehn häufigsten Zweitnamen der Mädchen decken 22 % aller Zweitnamen ab, bei den Jungen 12 % – Eltern greifen beim Zweitnamen viel öfter zum Gleichen als beim Erstnamen. Zweitens der Stil: Die Zweitnamen sind älter, länger, klassischer. Maria, Elisabeth, Johanna, Luise; Alexander, Maximilian, Friedrich, Karl, Theodor. Es ist die Namenswelt der Großeltern, die an zweiter Stelle weiterläuft.

Namen, die fast nur Zweitnamen sind

Manche Namen haben in Berlin die Seiten gewechselt: Sie werden häufiger an zweiter als an erster Stelle vergeben.

Mädchen: Marie (2504 als Zweit-, 769 als Erstname), Sophie (2388 als Zweit-, 694 als Erstname), Rose (351 als Zweit-, 63 als Erstname), Louise (312 als Zweit-, 104 als Erstname). Jungen: Peter (275 als Zweit-, 66 als Erstname).

Marie ist das eindrücklichste Beispiel. In den GfdS-Listen stand Marie über zwei Jahrzehnte ganz oben – gezählt wurden damals alle Vornamen, nicht nur der erste. Als die GfdS 2019 auf Erstnamen umstellte, verschwand Marie aus den Top 10. Sie war nie weg; sie war die ganze Zeit vor allem ein Zweitname. Umgekehrt sind die großen Erstnamen (Emma, Mia, Mila, Ella; Adam, Jonas, Theo, Milan) fast nie Zweitnamen: weniger als 15 Prozent ihrer Vergaben stehen an zweiter Stelle.

Ein ruhiger Berliner Hinterhof vom Fenster aus gesehen, Kastanie, ein Kinderwagen am Eingang, Aquarell in warmen Tönen
Berlin ist die einzige deutsche Stadt, die ihre Vornamen vollständig und offen veröffentlicht – deshalb rechnen wir mit Berlin.

Wozu der Zweitname dient

Das Andenken

Der Name eines Großelternteils, einer Patin, eines Verstorbenen. Es ist der älteste Zweck des Zweitnamens, und die Zahlen bestätigen ihn: Maria, Elisabeth, Johanna, Karl, Friedrich, Michael stehen an zweiter Stelle, weil sie an erster zu weit weg von 2025 wären. Das Kind trägt die Verbindung; es muss den Namen nicht tragen.

Die Reserve

Ein Name, den das Kind später wählen kann. Wer mit seinem Rufnamen nicht glücklich ist, kann im Alltag jeden seiner eingetragenen Vornamen führen; seit 2018 lässt sich auch die Reihenfolge der Vornamen per Erklärung beim Standesamt neu bestimmen (§ 45a PStG) – deutlich einfacher als ein völlig neuer Name. Ein Zweitname ist ein Ausgang, den man dem Kind mitgibt.

Die Unterscheidung

Bei häufigem Erst- und Nachnamen (Emilia Müller, Noah Schmidt) trennt der Zweitname das Kind von den anderen Emilia Müllers in Akten, Praxen und Schullisten. Bei den zwanzig häufigsten Nachnamen Deutschlands ist das kein kleiner Nutzen.

Der Ausgleich

Wer sich beim Erstnamen nicht einig ist, findet hier oft die Lösung: Der eine wählt den Rufnamen, der andere den Zweitnamen. Wie das Verfahren aussieht, steht in Wenn Sie sich nicht einigen können.

Was kein Zweck ist: »damit es schön klingt«. Die Kombination Emilia Marie Müller wird niemand außer Ihnen im Kreißsaal je aussprechen. Das ist kein Grund gegen einen Zweitnamen – aber allein kein Grund dafür.

Was das Standesamt erlaubt

Das deutsche Recht kennt keine feste Höchstzahl an Vornamen; das Standesamt kann aber eingreifen, wenn die Zahl der Namen dem Kindeswohl widerspricht – der Bundesgerichtshof hat 2004 zwölf Vornamen als zu viele angesehen, fünf gelten in der Praxis als Obergrenze des Üblichen. Alle eingetragenen Vornamen sind gleichwertig; der Rufname wird nicht amtlich festgelegt und lässt sich im Alltag frei wählen. Ein Bindestrichname (Anna-Lena) ist dagegen ein Vorname, der immer ganz geführt wird. Welche Namen das Standesamt überhaupt annimmt, ist Thema von Welche Vornamen das Standesamt ablehnt.

Praktisch heißt das: Zwei Vornamen ohne Bindestrich sind der Normalfall des Zweitnamens – ein Rufname, ein eingetragener Begleiter. Wer beide im Alltag führen will, nimmt den Bindestrich; wer sich die Wahl offenhalten will, lässt ihn weg.

Methode und Grenzen

Woher die Zahlen kommen
  1. Quelle: Land Berlin, offene Daten der Standesämter »Liste der häufigen Vornamen« 2012–2023 (Lizenz CC BY), je Bezirk eine CSV-Datei mit Vorname, Anzahl, Geschlecht und – ab 2017 – Position (1 = Erstname, 2 = Zweitname, 3 = Drittname). Wir haben alle zwölf Bezirke zusammengefasst.
  2. Anteil mit Zweitnamen: Zahl der Namen an Position 2 geteilt durch Zahl der Namen an Position 1 (= Zahl der Kinder), je Jahr und Geschlecht.
  3. Häufigste Zweitnamen: Summe über 2017–2023, Position 2. »Fast nur Zweitname«: Namen mit mindestens 300 Vergaben, davon mindestens 70 Prozent an Position 2.
  4. Grenze: Berlin ist eine Stadt mit eigener Zusammensetzung; die Anteile sind für Deutschland Größenordnungen, keine amtlichen Bundeswerte. Es gibt keine bundesweite Statistik der Zweitnamen.
  5. Recht: Bürgerliches Gesetzbuch und Personenstandsgesetz; BGH-Beschluss vom 28. April 2004 (XII ZB 38/03) zur Zahl der Vornamen. Dieser Ratgeber beschreibt die gängige Praxis; im Einzelfall gibt das Standesamt Auskunft.

Weiterlesen: Wie lange ein Vorname beliebt bleibt · Zeitlose Vornamen

Eigene Auswertung von Momcozy auf Grundlage der offenen Daten des Landes Berlin. Alle Zahlen lassen sich in den Quelldateien nachprüfen.

Haftungsausschluss: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Lassen Sie sich bei gesundheitlichen Problemen stets von Ihrem Arzt oder einem anderen qualifizierten medizinischen Fachpersonal beraten. Momcozy übernimmt keine Verantwortung für Folgen, die sich aus der Nutzung dieser Inhalte ergeben.